Strandasögur

Erzählen am Ende der Welt: Kartierung, Kontextualisierung und Analyse der landschaftsbezogenen Erzähltradition der Bezirke Árneshreppur und Kaldrananeshreppur in den isländischen Westfjorden

Die lebendige Erzähltradition der zwei Bezirke Kaldrananeshreppur und Árneshreppur im Norden der Region Strandir in den isländischen Westfjorden steht kurz vor ihrem Verschwinden. Diese Bezirke erleiden derzeit einen weitreichenden demographischen Kollaps und werden als Siedlungsgebiete fortschreitend aufgegeben. Dies hat verheerende Auswirkungen auf die wissenschaftliche Nutzbarkeit umfangreicher, seit dem frühen 19. Jahrhundert systematisch erhobener Archivbestände. Für beide Bezirke existieren umfassende Sammlungen von landschafts- und umweltbezogenem Erzählgut, die jedoch aufgrund der technischen Beschränkungen zur Zeit ihrer Erstellung die Fehlstelle aufweisen, dass die konkreten Handlungsorte der Erzählungen nicht in einer Weise dokumentiert wurden, die für nicht-Einheimische nachvollziehbar wäre. Gerade diese Lokalisierungen implizieren jedoch lebensweltliche Kontexte, die für die wissenschaftliche Analyse dieser Erzähltradition von zentraler Bedeutung sind. Die Ausgangslage des Projekts ist daher der drohende unwiederbringliche Verlust grundlegender Kontextinformationen zu den reichen existierenden Archivbeständen. Das laufende Projekt macht es sich zur Aufgabe, unsere letzte Chance zur Erfassung dieser Kontexte durch Kartierung zu nutzen, das wissenschaftliche Potential dieses Materials durch exemplarische Analysen aufzuzeigen und die erfassten Schlüsseldaten der weiteren Forschung zugänglich zu machen.